Jon Loyens ist Chief Product Officer und Mitbegründer von Data.World.

Inzwischen alle Unternehmen sind grundsätzlich datengetrieben. Dies gilt unabhängig davon, ob sie im technischen Bereich tätig sind. Daher ist es sinnvoll zu untersuchen, welche Rolle das Datenmanagement bei der Stärkung – und im Übrigen – der Produktivität und Zusammenarbeit innerhalb von Organisationen spielt.

Während der Begriff „Datenverwaltung“ unweigerlich mentale Bilder von riesigen Serverfarmen hervorruft, sind die Grundprinzipien älter als das Computerzeitalter. Von Volkszählungen und Wahlen bis zum Beginn des Bankwesens haben sich Einzelpersonen und Organisationen lange mit der Erfassung und Analyse von Daten auseinandergesetzt.

Wenn Unternehmen die Bedürfnisse aller Beteiligten verstehen, können sie herausfinden, wie Blockaden beseitigt werden können.

Ein oft zitiertes Beispiel ist Florence Nightingale, eine britische Krankenschwester, die während des Krimkrieges Patientenakten aufzeichnete und visualisierte, um die düsteren Zustände in Krankenhäusern an vorderster Front hervorzuheben. Über ein Jahrhundert später gilt Nightingale nicht nur als humanitär, sondern auch als einer der ersten Datenwissenschaftler der Welt.

Als die Technologie eine größere Rolle spielte und die Größe der Datensätze zunahm, wurde das Datenmanagement schließlich in einer Reihe formaler Rollen mit Namen wie „Datenbankanalyst“ und „Chief Data Officer“ kodifiziert. Nach der Formalisierung, insbesondere auf regulatorischer Seite, folgten neue Herausforderungen, als der Gesetzgeber strenge neue Datenschutzbestimmungen einführte – insbesondere die DSGVO-Gesetzgebung der EU.

Dies führte unweigerlich dazu, dass viele Unternehmen das Datenmanagement als eine Art Data Governance betrachteten, bei der sich die Zuständigkeiten auf die Einrichtung von Kontrollen und Prüfungsverfahren konzentrieren und die Dinge aus einer defensiven Perspektive betrachtet werden.

Diese Abwehrbereitschaft ist zugegebenermaßen gerechtfertigt, insbesondere angesichts der potenziellen finanziellen und Reputationsschäden, die durch Missmanagement und Datenlecks verursacht werden. Dennoch gibt es hier ein Element der Kurzsichtigkeit, und übermäßige Vorsicht kann Unternehmen daran hindern, die Vorteile einer datengesteuerten Zusammenarbeit zu erkennen, insbesondere wenn es um Software- und Produktentwicklung geht.

Das Vergehen nehmen

Datenverteidigung manifestiert sich in Bürokratie. Sie erstellen Rollen wie „Data Steward“ und „Data Custodian“, um interne Anforderungen zu bearbeiten. Über ihnen sitzt ein „Governance Council“, dessen Mitglieder Diktate ausstellen und Betriebsverfahren festlegen – ohne tatsächlich in den Gräben zu arbeiten. Es dauert nicht lange, bis Blockaden auftreten.

Blockaden sind niemals gut fürs Geschäft. Das erste Anzeichen für Probleme sind „Datenbreadlines“. Mitarbeiter, die nach wichtigen Daten suchen, müssen sich bei den Verantwortlichen durchsetzen. Zeit wird verschwendet.

Dies ist an sich katastrophal. Aber die kulturellen Auswirkungen sind viel schlimmer. Menschen sind natürliche Problemlöser. Dies gilt in zweifacher Hinsicht für Softwareentwickler. Also beginnen sie herauszufinden, wie sie etablierte Verfahren umgehen können, indem sie Daten in ihren eigenen „Silos“ horten. Die Zusammenarbeit stockt. Inkonsistenzen schleichen sich ein, wenn Teams unweigerlich mit verschiedenen Versionen desselben Datensatzes arbeiten.